Der Heilige Florian ist der Schutzpatron der Feuerwehr, daher auch die Bezeichnung "Floriansjünger"
für Feuerwehrleute sowie der für Feuerwehrfahrzeuge übliche Funkrufname "Florian" in Kombination
mit der individuellen Fahrzeugkennung.
Aber wenn ich herumfrage, was denn aus seinem Leben bekannt ist, warum gerade er der Schutz-
patron der Feuerwehr ist, kommen viele ins Stocken.
Nun, Florian starb seinen Martyrertod zwar schon vor 1700 Jahren, ist aber trotzdem bis heute nicht
in Vergessenheit geraten. Er stammte aus dem österreichischen Cannabiaca, dem heutigen Zeisel-
mauer bei Tulln und kam dort in der zweiten Hälfte des dritten Jahrhunderts zur Welt. Beruflich war
er zuerst römischer Offizier. Dann machte er Karriere als hoher Beamter: Er wurde Kanzleivorstand
des Statthalters einer Provinz im römischen Lauriacum, dem heutigen Lorch an der Enns.
In diesem Beruf hat er Sachkenntnis und Verantwortungssinn mit der Bereitschaft verbunden,
anderen Menschen zu helfen.
Zu Beginn des 4. Jh. brach unter Kaiser Diokletian eine große Christenverfolgung aus. In den einzel-
nen Provinzen wurden die Christen ausgeforscht und vor die Wahl gestellt, entweder dem Glauben
an Christus abzuschwören und sich den heidnischen Göttern sowie dem Kaiser zu opfern oder das
Los von Gefangenschaft, Folter und Tod auf sich zu nehmen.
Als Florian, der zu dieser Zeit nicht mehr im aktiven Dienst stand, davon erfuhr, dass 40 Christen in
Lauriacum verhaftet worden seien und im Gefängnis ihrem weiteren Schicksal entgegensahen, fass-
te er den Entschluss, ihnen zu helfen. Unweigerlich riskierte er dabei sein eigenes Leben, denn als
er sich beim Stadthalter Aquilinus für diese Menschen einsetzte und sich dabei selber als Christ be-
kannte, da fiel er in Ungnade und wurde vor die Entscheidung gestellt. Für Florian war es in dieser
Situation Charaktersache, weiterhin treu zum Glauben an Christus zu stehen und sich mit den ver-
folgten Christen solidarisch zu zeigen. Weil man sah, dass er auch unter Misshandlung und Folter
den Glauben nicht aufgab, wurde ihm ein Mühlstein um den Hals gehängt und auf diese Weise in der
Enns ertränkt.

 

Und wieso ist Sankt Florian gerade der Patron der Feuerwehr?
 
Nicht nur die Beziehung zum Wasser ist es, sondern noch mehr die Bereitschaft zum lebensgefähr-
lichen Einsatz für seine Mitmenschen. Er wollte für die christlichen Glaubensbrüder dass ihm Mögliche
tun und kam so selbst in Gefahr. Anstatt sich zur Ruhe zu setzen und unbeteiligt zuzusehen, wie un-
schuldige Menschen den Tod erlitten, suchte er nach einem Weg, ihnen zu helfen.
 
Ist das nicht auch immer wieder die Aufgabe einer Freiwilligen Feuerwehr?
 
Wie viele Stunden Eurer Freizeit und Ruhe opfert auch Ihr, liebe Kameraden, um bereit zu sein für
die nötige Hilfe, die Menschen in Gefahr und Bedrohung brauchen?
Wer einen solchen Dienst ausübt, wird zwar die nötige Vorsicht walten lassen, er kann sich aber im
Ernstfall nicht einfach durch Nichtstun aus der Affäre ziehen, sondern wird bereit sein zum ganzen
Einsatz seines Lebens für die bedrohten Menschen. Da kann uns der heilige Florian ein großes Vor-
bild sein!
Noch etwas möchte ich hier aufzeigen: Für den hohen römischen Beamten Florian bildeten der Dienst
am Nächsten und der Glaube an Gott eine lebendige Einheit. Gerade aus seinem Glauben holte er
sich die Kraft, um für die Menschen in Not da zu sein. Auch wir, liebe Feuerwehrkameraden, können
und sollen in einer solchen Einheit leben. Besonders dann, wenn ich einem anderen Menschen in Not
helfen will, kann ein kurzes Gebet, und sei es ein noch so kleines Stoßgebet, vor einem Einsatz zum
Beispiel, Kraft geben. Auch nach dem Einsatz kann ich das, was ich gerade erlebt habe, vor Gott hin-
legen, ihm danken und dadurch wieder gestärkt und frei in den Alltag gehen.

 

Im Leben kommt es nicht darauf an, möglichst groß rauszukommen, was zählt ist das
Dienen, der Einsatz für den Nächsten. Vor Gott ist groß, wer das verstanden hat – wie
der heilige Florian gehandelt hat.
 
 
Hierzu möchte ich noch eine kleine Geschichte erzählen.
Heute spielten die beiden nämlich bei Maria in der Wohnung Verstecken. Sabine hatte schon alle
Ecken und Winkel unsicher gemacht. Sogar in den Kleiderschrank war sie hineingekrochen. Aber
wohin sollte sie nun? Vielleicht ins Nebenzimmer?
Kurz entschlossen drückte sie die Klinke hinunter und stand auch schon im Schlafzimmer.
Und dann sah sie es.
Über Marias Bett hing ein Bild. Sabine war so verblüfft, dass sie das Versteckspiel einen Moment
vergaß und mit offenem Mund das Bild anstarrte. Was war das überhaupt? Etwas Blaugraues mit
schwarzbraunen Rändern und einem Loch in der Mitte war in einen schmalen Holzrahmen einge-
spannt. Sabine konnte nicht widerstehen. Sie stellte sich auf die Zehenspitzen und nahm das selt-
same Bild von der Wand. Das war doch ein Stück Stoff! Nein, wie man nur so was an die Wand
hängen konnte. Da war ihr Schutzengel über dem Bett viel, viel schöner! Einen komischen Ge-
schmack hatte die Maria. Die stand plötzlich neben der Freundin und riss ihr das Bild aus der Hand.
Einen roten Kopf hatte sie dabei und schrie: "Lass meine Sachen in Ruhe- das geht Dich nichts an!"
Aber auch Sabine war nicht auf den Mund gefallen. "So, „sagte sie" es ist das blödeste Ding, was
ich jemals an der Wand gesehen habe, und überhaupt - ein alter Lappen ist es - und weiter nichts!"
Und schon war die schönste Zankerei im Gange. Gut, dass gerade Frau Hofer von der Arbeit nach
Hause kam. Mit einem Blick sah sie, was geschehen war.
"Kommt, vertragt euch wieder", sagte sie. Sabine konnte ja nicht wissen, worüber sie gelacht hat.
Nicht wahr, Maria - wir wollen es Ihr erzählen."
So erfuhr Maria die Geschichte des sonderbaren Bildes.
Als Maria 3 Jahre alt gewesen war, waren ihre Eltern eines Abends ins Theater gegangen. Als sie
wieder heim kamen schlugen ihnen aus den Fenstern ihrer Wohnung Flammen und Rauchwolken
entgegen. Viele Leute drängten sich auf der Straße. Feuerwehr und Rettungsdienst waren auch da.
Es war ein schreckliches Durcheinander, Rufen und Drängen gewesen. Doch Marias Mutter hat das
gar nicht recht wahrgenommen. "Mein Kind" hat sie nur immer wieder gerufen "Mein Kind ist noch
in der Wohnung"! Mit Gewalt hat man sie festgehalten, als sie in das brennende Haus laufen wollte.
Doch da hatte ein junger Feuerwehrmann die lange Brandleiter an das Fenster gelehnt, war flink
hinauf geklettert und war in den Flammen verschwunden, ehe die Leute recht begriffen, was da vor
Ihren Augen geschah. Totenstill hatten sie auf einmal dagestanden und zu dem Fenster hinaufges-
chaut. Würde er das Kind retten? Da tauchte er am Fenster auf und in den Armen hielt er ein Bündel.
Es war Maria! Mit letzter Kraft kam er die Leiter hinunter. Er taumelte und brach zusammen. Zwei
Tage später starb er im Krankenhaus - Maria hingegen lebte aber.
Frau Hofer schob Sabine das Bild hin. "Sieh" sagte sie, "das ist ein Stückchen, von der Kleidung, die
er trug. Die Ränder sind versengt und ein Loch ist hinein gebrannt. Aber jetzt wirst Du verstehen,
warum dieses Bild kostbarer ist, als alles Andere, was wir besitzen, und warum es über Marias Bett
hängt". "Ja" sagte Sabine ganz still, "jetzt verstehe ich es. Wenn er nicht sein Leben eingesetzt hätte,
wäre Maria tot. Und ganz vorsichtig hängte sie das kostbare Bild wieder an den Nagel, von dem sie
es vorher abgenommen hatte.

 

(Textbeitrag: Hr. Pfarrer Markus Fiedler, Pfarrei St. Elisabeth Postbauer-Heng)

 

Liebe Schwestern und Brüder,

 

im Leben kommt es nicht darauf an, möglichst groß rauszukommen, was zählt ist das Dienen, der Einsatz für den Nächsten. Vor Gott ist groß, wer das verstanden hat – wie der heilige Florian gehandelt hat.